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Die HAGE: Aktiv auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2024

Fachforen, Podiumsdiskussionen, Gesprächsrunden, Moderationen

19. März 2024
Der diesjährige Kongress Armut und Gesundheit befasste sich mit dem Zusammenhang von Umwelt, Klima, Armut und Gesundheit. Die HAGE war mit dabei und wirkte in verschiedenen Veranstaltungsformaten mit.
Gruppe von 12 Menschen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAGE waren auf dem Kongress Armut und Gesundheit in Berlin aktiv.

 

Der diesjährige 29. Public-Health-Kongress Armut und Gesundheit widmete sich mit über 2000 Teilnehmenden dem Zusammenhang von Umwelt, Klima, Armut und Gesundheit. 

Vertreterinnen und Vertreter der HAGE waren sowohl beim digitalen Teil des Kongresses als auch in Berlin an Gesprächsrunden, Fachforen, Podiumsdiskussionen und Moderationen beteiligt. Ihre Themen waren breit gefächert. So ging es beispielsweise um Schüler*innengesundheit oder Partizipation von Menschen in Erwerbslosigkeit bis hin zu gesundheitsbezogenen Hitzemaßnahmen.

Die Gesundheit von Schüler*innen: Schulgesundheitsfachkräfte


Die Satellitenveranstaltung zum Kongress befasste sich mit dem Thema „Die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern in Deutschland: Von Ergebnissen und Trends der HBSC-Studie zur Public Health-Praxis”. 

Eine Gesprächsrunde beleuchtete das Thema „Gesundheitsfachkräfte an Schulen”. Vertreten waren Prof. Dr. Michael Ewers (Charité, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft & DGPH), Heinz-Peter Ohm (Landeshauptstadt Stuttgart, Gesundheitsamt), Beate Proll (Stadt Hamburg, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung) sowie Oliver Janiczek (HAGE).

Die Ergebnisse der HBSC-Studie unterstreichen, wie wichtig eine koordinierenden innerschulische Instanz für das Thema Gesundheit von Schüler*innen und für das Schulpersonal ist. Das Angebot einer gesundheitlichen Betreuung für Kinder- und Jugendliche leistet einen Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit im Setting Schule – zumal speziell chronisch kranken und behinderten Schüler*innen schulintern häufig nicht die notwendige Unterstützung zur Verfügung steht. Insgesamt geht es darum, das Setting hin zu „mehr gesunde Schule” zu entwickeln. In der Gesprächsrunde wurde deutlich, wie wichtig aktuell die Bündelung der Erfahrungen der Schulgesundheitsfachkräfte aus den Programmen und Modellprojekten in den Ländern ist: für die weitere Ausrichtung dieses jungen Berufsfelds ebenso wie für die Entwicklung von Standards und Leitlinien zur Qualitätsentwicklung.

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Wege (und Umwege) zum Familienzentrum: Was hat sich bewährt? Was brauchen wir?


Moderiert von Rajni Kerber (HAGE, Arbeitsbereich Gesundheitliche Chancengleichheit) und Holger Kilian (Gesundheit Berlin Brandenburg), wurden im Fachforum „Wege (und Umwege) zum Familienzentrum: Was hat sich bewährt? Was brauchen wir?" verschiedene bundesweite Ansätze zur Arbeit von Familienzentren vorgestellt. 

Deutlich wurde, dass es keine einheitlichen Regelungen und Umsetzungsstrategien zur Etablierung von Familienzentren in den Bundesländern gibt. In Hinsicht auf Armutsprävention, Gesundheitsförderung und Prävention sind Familienzentren besondere Anlaufstellen für Kinder, Familien, Menschen in allen Lebenslagen und Senioren in den Kommunen. Angesichts aktueller Bedarfe sind Familienzentren in der Fläche und mit qualitätsgesicherten Angeboten nach §16 SGB VIII erforderlich.

Die Macht der Beziehung – Welchen Einfluss hat die Beziehungs- und Netzwerkarbeit auf die Partizipation von Menschen in Erwerbslosigkeit?


Eine Podiumsdiskussion fragte: Welchen Einfluss hat die Beziehungs- und Netzwerkarbeit auf die Partizipation von Menschen in Erwerbslosigkeit? Versammelt waren Vertreter*innen der Programmkoordinationen Teamw()rk Hessen und Berlin, des Modellprojektes RehaPro, des Café Wohlzeit Fulda, der Diakonie sowie der Regionaldirektion NRW. 

Unter anderem wurde deutlich, dass die Beziehungsarbeit entscheidend für die Partizipation von Menschen in Erwerbslosigkeit ist. Angelina Weiß (HAGE, Teamw()rk für Gesundheit und Arbeit Hessen) unterstrich die Notwendigkeit personeller, zeitlicher und somit auch finanzieller Ressourcen, damit die notwendige Zeit aufgebracht werden kann, um eine vertrauensvolle Beziehung entstehen zu lassen. 

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Den Wandel auch ökologisch nachhaltig gestalten – ein neuer Blick auf gute Qualität


Im Rahmen des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit werden Projekte als Beispiele guter Praxis beschrieben – darunter auch hinsichtlich des Kriteriums Nachhaltigkeit. Bislang wird dabei vordergründig die zeitliche Dimension von Nachhaltigkeit betrachtet. Auch wenn eine Verstetigung und Verankerung von Maßnahmen in der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung wichtig ist, darf ein ökologisches Verständnis von Nachhaltigkeit – ein verantwortungsvoller Umgang mit (Umwelt-)Ressourcen – nicht aus den Augen verloren werden. Mit diesem Thema befasste sich das digitale Fachforum „Den Wandel auch ökologisch nachhaltig gestalten – ein neuer Blick auf gute Qualität“. 

In einer Gesprächsrunde unter Beteiligung von Felix Koller (HAGE, Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen) wurde das Qualitätskriterium Nachhaltigkeit erläutert. Auch wurde eine kleine Studie hinsichtlich fördernder Faktoren für den Aufbau und die Stärkung von Nachhaltigkeit vorgestellt. Im Kern ging es dann um die Frage, wie ökologische Nachhaltigkeit in der soziallagenbezogen Gesundheitsförderung nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch aussehen kann: Wichtig ist es, fachübergreifend für eine Anpassung der Verhältnisse zugunsten einer Nachhaltigkeitsstärkung zusammenzuarbeiten. Dafür ist ein gemeinsames Verständnis des Begriffs „Nachhaltigkeit“ notwendig. Auch sollten vorhandene Ressourcen wie zum Beispiel bestehende Netzwerke oder aktive Akteure genutzt werden: So ist die Kooperation mit Kita-Trägern (https://bigso.de/KliGeS-II/) oder Pflegeeinrichtungen (https://higela.de/) vielversprechend; in Saarbrücken wird das Modellprojekt „Gesund bei Hitze im Quartier“ u. a. mit Vertreter*innen aus dem Gesundheitsamt, dem Klimaschutzmanager und dem Sozialplaner umgesetzt. Ebenfalls wichtig ist der partizipative Einbezug betroffener Bürger*innen. Er zielt u. a. darauf ab, sie zu befähigen, mit und trotz des Klimawandels ihr Leben gesundheitsförderlich zu gestalten und verbessert die Chance auf nachhaltig gesundheitsförderliches Verhalten.

Die Klimakrise als Herausforderung für ein gelingendes Aufwachsen und Kinderrechte


Das digitale Fachforum „Die Klimakrise als Herausforderung für ein gelingendes Aufwachsen und Kinderrechte” moderierten Rajni Kerber und Nicole Waliczek (HAGE, Projekt Landesprogramm Präventionsketten Hessen). Es beleuchtete die aktuellen Herausforderungen, die klimabedingte Veränderungen der Lebensbedingungen für ein gutes Aufwachsen von Kindern bedeuten. Vor diesem Hintergrund wurden der neue General Comment Nr. 26 der UN-Kinderrechtskonvention sowie Umsetzungsstrategien aus Hessen vorgestellt. Ein jugendlicher Vertreter des Landesheimrates Hessen berichtete zudem über seine Erfahrungen, wie hessenweite Beteiligungsworkshops für Kinder und Jugendliche zur Umsetzung der Kinder- und Jugendrechte beitragen können. 

Angesichts des geringen Bekanntheitsgrades der Kinderrechte (laut Hessischem Monitoring 2023) ist es wichtig, Kinderrechte stärker in die Verwaltung und (Kommunal-)Politik einzubringen und eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen strukturell zu etablieren. Der General Comment No. 26 ist ein Referenzrahmen, aus dem viele Ansatzpunkte für die Umsetzung und Gestaltung klimagerechter Lebensräume für Kinder genutzt werden sollten. Die Bekanntmachung der Kinderrechte in verschiedenen Expert*innen-Kreisen sowie bei den Kindern und Jugendlichen selbst ist als eine zentrale Aufgabe kommunaler Fachkräfte und Multiplikator*innen aus den Bereichen Gesundheit, Jugend, Soziales, Umwelt u. v. m. zu betrachten. 

Gesundheitsbezogene Hitzemaßnahmen – Ansätze und Zugänge auf Länderebene


Der Workshop „Gesundheitsbezogene Hitzemaßnahmen – Ansätze und Zugänge auf Länderebene“ wurde vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (lzg.NRW), dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der HAGE organisiert. Dr. Katharina Böhm, Geschäftsführerin der HAGE, moderierte die Veranstaltung und stellte kurz die neue Fach und Vernetzungsstelle Gesundheitsförderung und Klimawandel vor; sie ist seit Dezember 2023 bei der HAGE eingerichtet.

Die Bundesländer NRW, Bayern und Hessen präsentierten ihre Aktivitäten hinsichtlich gesundheitsbezogener Hitzemaßnahmen; Ann-Kathrin Piro vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege stellte den Hessischen Hitzeaktionsplan (PDF) vor. In einem Worldcafé-Format fand anschließend ein Erfahrungsaustausch zu folgenden Themen statt: Koordination auf Landesebene, Unterstützungsangebote für die kommunale Ebene sowie besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Die Teilnehmenden brachten sich mit ihren Erfahrungen in der Umsetzung von Hitzeaktionsplänen und anderen hitzebezogenen Maßnahmen ein und formulierten Bedarfe für die Unterstützung durch die Landesebene.  Der Workshop war ein erster Schritt zur Vernetzung der Akteure im Handlungsfeld Hitze, weitere Veranstaltungen hierzu sollen zeitnah folgen.