Deutsches Ärzteblatt

Niedriger soziökonomischer Status fördert Krebserkrankungen

Einkommen, Bildungsstand und Beschäftigung beeinflussen das Krebsrisiko. Nach einer Studie in Frontiers in Oncology (2018; doi: 10.3389/fonc.2018.00402) kommt es in Regionen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status der Bevölkerung bei Männern häufiger zu Lungen-, Mund- und Atemwegs-, Magen-, Nieren- und Blasenkrebs. Bei Frauen ist die Zahl von Krebserkrankungen in Nieren, Blase, Magen, Gebärmutterhals und Leber erhöht und es kommt häufiger zu Leukämien und Lymphomen.

Dass sozioökonomische Unterschiede das Krebsrisiko beeinflussen, ist keine neue Erkenntnis. Menschen in schlechteren sozialen Positionen sind häufiger in Wohnung und Arbeitsplatz schädlichen Substanzen ausgesetzt. Darüber hinaus sind lebensstil­bezogene Risikofaktoren wie Tabakrauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Fettleibigkeit in niedrigeren sozioökonomischen Gruppen häufiger anzutreffen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kam kürzlich in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass 25-jährige Männer aus niedrigen sozioökonomischen Gruppen eine um 8 Jahr niedrigere Lebenserwartung haben. Bei Frauen betrug der Unterschied 5 Jahre.

Deutschland bildet keine Ausnahme. Der Zusammenhang lässt sich hierzulande nur nicht so einfach untersuchen, da es bis vor wenigen Jahren kein flächendeckendes Krebsregister gab und Informationen über den sozioökonomischen Status der Einwohner schwer zu ermitteln sind. Forscher des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben kürzlich den „German Index of Socioeconomic Deprivation“ (GISD) entwickelt, der sich auf Kreisebene ermitteln lässt. Der GISD berücksichtigt Arbeitslosenquote, den Anteil der Akademiker, den Anteil der Sozialversicherten, Löhne und Haushaltseinkommen, Schulabbrecher, Privatinsolvenzen und das Steueraufkommen in den einzelnen Kreisen. Jens Hoebel und Mitarbeiter am RKI haben den GISD mit den Daten der deutschen Krebsregister in Beziehung gesetzt (wobei Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Berlin wegen fehlender Langzeiterfahrungen ausgenommen wurden).

Quelle: Deutsches Ärztblatt