Die Einbindung der Zielgruppe hat sich gelohnt!

Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung

Wenn ich mich bewege, kann ich auch andere Dinge in Bewegung setzen. So lässt sich die zentrale Erkenntnis, nicht nur der acht Teilnehmerinnen, sondern auch aller anderen Beteiligten rund um den 2-wöchigen Yoga-Kurs in Limburg-Weilburg, auf den Punkt bringen.

Eine Erkenntnis, die eine große Wirkung im Leben und für die Gesundheit der erwerbslosen Frauen entfaltet und darüber hinaus zeigt, wie wichtig der Einbezug der Zielgruppe für den Erfolg sinnvoller Maßnahmenentwicklung ist.

Das Jobcenter Limburg-Weilburg und die Mitarbeiter des Projekts „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt“ des GKV-Bündnis für Gesundheit versuchen seit September 2019 in ihrer Kooperation neue Wege zu gehen, und dies mit Erfolg.

Dass, unabhängig von Corona, eine Stärkung der eigenen Gesundheit, des Selbstbewusstseins und Gemeinschaftssinns wichtig ist, und dass der Besuch eines gesundheitsfördernden Kurses dabei helfen kann, dies zu erreichen, darin waren sich Dorothee Sachse und Anne Fachinger vom Jobcenter Limburg-Weilburg[1] sowie alle Beteiligten des Kooperationsprojekts von Beginn an einig.

Um jedoch Angebote zu schaffen, die von den Adressaten auch angenommen werden, müssen deren Wünsche und Bedürfnisse nicht nur ermittelt, sondern darüber hinaus auch einbezogen werden. Eine Einsicht, die keineswegs neu ist in der Theorienlandschaft. Für die Praxis bedeutet sie jedoch, in einen zielgerichteten Dialog mit den Menschen zu treten, um die es geht. Nun ist die Zielgruppe der Erwerbslosen sehr heterogen, so dass sich keine Einheitslösung standardisieren lässt. Wie also lassen sich die Menschen erreichen? „Und was können wir tun", fragte Eva Grafmüller, zuständige Referentin der HAGE e. V. im Projekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt“, „um gezielt diese Zielgruppe, also erwerbslose Menschen in Limburg-Weilburg von Anfang an in die Projektplanung mit einzubeziehen, damit für sie passende Maßnahmen entwickelt werden?“

Zu diesem Zweck führten die Kooperationspartner zunächst eine niederschwellige Befragung der Kundinnen des Jobcenters Limburg-Weilburg bezüglich ihre Ideen und Wünsche zu gesundheitsförderlichen Kursangeboten durch. Die Befragung wurde gut angenommen und lieferte verwertbare Ergebnisse. „Die Rückmeldungen der Befragung, die wir unter Kund*innen durchgeführt haben, hat ergeben, dass das Interesse an Kursen in der Natur hoch ist“, erklären Frau Sachse und Frau Fachinger.

Natürlich ist das Vorgehen, mit einer Befragung unter den Kund*innen zu beginnen, nicht neu. „Neu ist allerdings", weiß Frau Grafmüller aus Erfahrung, „die jeweiligen Personen nach der Befragung wieder mit einzubeziehen und damit zum Ausdruck zu bringen, dass ihre Anregungen nicht verhallen, sondern umgesetzt werden.“ Mit dieser Idee der Rückkopplung organsierte Frau Grafmüller auf Basis der Auswertungsergebnisse ein geeignetes Kursformat und die entsprechenden Genehmigungen für die Durchführung im öffentlichen Raum. „Parallel dazu wurden Frauen aus Limburg gezielt angeschrieben und so auf das Angebot aufmerksam gemacht. Außerdem haben unsere Beratungsfachkräfte telefonisch zu ihren Kund*innen Kontakt aufgenommen und über das Angebot beraten“, berichten Frau Sachse und Frau Fachinger.   

Und dieser Aufwand hat sich gelohnt!  

Acht Teilnehmerinnen nahmen an zwanzig Yoga-Einheiten regelmäßig teil. Die Kursleiterin und Yogalehrerin Ute Meier-Lixenfeld war nach Ende der zwanzig Kurs-Einheiten begeistert vom Engagement der Teilnehmerinnen. „Es ist eine Freude mitanzusehen, wie das Selbstvertrauen der Frauen mit jedem Kurstag zunimmt.“

Der Erfolg gibt diesem Vorgehen Recht, finden auch Frau Sachse und Frau Fachinger: „Die Frauen sind mit Begeisterung dabei. Es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre und die Frauen geben positives Feedback. Die Frauen berichten, dass es ihnen richtig gut gehe und der Yoga-Kurs sich nachhaltig auf ihr Wohlbefinden auswirke. Auch aus ihrem privaten Umfeld bekommen die Frauen teilweise gespiegelt, dass Veränderungen positive bemerkt werden.“

Und auch die Teilnehmerinnen selbst berichteten, dass sie das Angebot weitergebracht habe. „Ich habe gelernt, mich zu entspannen und die Probleme und Sorgen bei Seite zu schieben. So schaffe ich es, mich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren und meine Ziele zu ordnen“, fast eine der Frauen zusammen.

Es empfinden und artikulieren also genau jene Menschen, an die sich die Maßnahme gerichtet hat, einen Zuwachs an Lebensqualität. Ein wichtiger Schritt im Prozess zur Förderung und Stärkung der eigenen Gesundheit und im Rahmen des Projekts eines der zentralen Ziele.

Dieser Erfolg gibt allen Beteiligten Mut und spornt dazu an, diesen Weg weiter zu gehen. Und auch in Zukunft auf ein partizipatives Vorgehen bei der Maßnahmenentwicklung und -umsetzung für die Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung zu setzen.

 

 

[1] Dorothee Sachse ist die Geschäftsführerin des Jobcenters Limburg-Weilburg.  Anne Fachinger ist die Beauftragte für Chancengleichheit.


Bild: © Teilnehmerinnen des Yoga-Kurses Limburg/HAGE e.V.