Preisträger des Hessischen Gesundheitspreises 2017

2017 vergab das Land zum 6. Mal den Hessischen Gesundheitspreis

Am 2. November 2017 ehrte der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner  insgesamt fünf Projekte der Gesundheitsförderung und Prävention mit dem Hessischen Gesundheitspreis. Davon wurden zwei Preise als Sonderpreise verliehen. Die Verleihung fand im Hessischen Landtag in Wiesbaden unter Anwesenheit von Walter Kohl, einem Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl statt, der als Schirmherr für das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention – FRANS vor Ort war.

Form- und fristgerecht eingegangen waren 72 Projektvorschläge. 23 Projekte schafften es in die Endrunde, aus denen die fünf Preisträger ermittelt wurden.

Kategorie „Gesund Aufwachsen“

Peer Education

Gelingende Kooperation von Jugendarbeit und Schule

Im Projekt „Peer Education – gelingende Kooperation von Jugendarbeit und Schule“ des Amtes für Soziale Arbeit der Stadt Wiesbaden, werden Jugendliche im präventiven Bereich in unterschiedlichen Themen qualifiziert, um Gleichaltrige (so genannte Peers) zu informieren, aufzuklären und bei der Bewältigung alterstypischer Probleme zu beraten. Themen sind Liebe, Sexualität, Freundschaft sowie die Wirkung von alkoholischen Getränken und den risikovermeidenden Umgang damit. Das Projekt bietet niedrigschwellige Prävention und Aufklärung unter Mitwirkung von Jugendlichen. Kooperationspartner und Veranstaltungsorte werden so ausgewählt, dass Teenager aus sozial benachteiligten Familien oder solche mit Migrationshintergrund erreicht werden. Diversität und kulturelle Unterschiede werden in Bezug auf die Themen beachtet und diskutiert.

Kategorie „Gesund Bleiben - Mitten im Leben"

FRANS

Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention

Das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention – FRANS – wurde 2014 gegründet und ist ein Zusammenschluss von mehr als 70 Frankfurter und überregionalen Institutionen und Organisationen, in deren beruflichem Alltag suizidales Verhalten und das Thema Suizidprävention eine Rolle spielen. Die Ausrichtung des Netzwerks ist bewusst berufsgruppenübergreifend ausgerichtet, um möglichst alle potentiell betroffenen Personen zu erreichen. Unter dem Motto „Verstehen. Vernetzen. Verhindern.“ soll das Thema Suizidalität entstigmatisiert, Akteure vernetzt und die Suizidzahlen gesenkt werden. In Frankfurt nehmen sich jährlich etwa 90-100 Personen das Leben. Mit koordinierten Präventionsaktivitäten will das Netzwerk die Bevölkerung und Professionelle über das Thema informieren und dafür sensibilisieren. Mit der Weiterentwicklung der Hilfs- und Unterstützungsangebote soll die Zahl der Selbstmorde in Frankfurt um 30 % gesenkt werden.

Kategorie „Gesund Altern"

Der aktivierende Hausbesuch

Bewegung zu Hause

Mit dem „aktivierenden Hausbesuch“ werden Menschen angesprochen, die Angebote außer Haus nicht wahrnehmen können. Der wöchentlich einmal stattfindende Besuch eines Bewegungspaten von ca. einer Stunde basiert auf zwei Bausteinen: In den ersten 30 Minuten verbessern Bewegungsübungen die Mobilität und Koordination und stärken Muskulatur, um Stürzen vorzubeugen. Die verbleibende Zeit dient dem Austausch über zum Beispiel Gesundheitsthemen, Alltagssorgen, Familiengeschichten und Gedächtnistraining, um Isolation vorzubeugen und Schwierigkeiten rechtzeitig begegnen zu können. Das Gespräch bietet neben den psychosozialen Effekten im Bedarfsfall einen niedrigschwelligen Zugang zum Hilfesystem. Das Angebot fördert so Mobilität, bekämpft Isolation und steigert die Lebensqualität. Auf diese Weise trägt es dazu bei, einen Heimeintritt zu verzögern oder zu verhindern.

Sonderpreis des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

Projekt Kairos

Begleitet und unterstützt am Lebensende

Durch die Tabuisierung der Themen Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft existiert wenig Wissen und Handlungskompetenz. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind diese Themen von Relevanz, es finden sich aber weder in schulischen Lehrplänen noch im informellen Angebot des Internets leicht abrufbare Informationen oder handlungsorientierte Unterstützung. Vor diesem Hintergrund bietet das Projekt Kairos der Deutschen PalliativStiftung verschiedene Informationen, Lehrmaterialien und Videoclips an um z. B. über den Unterricht in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, über das Thema zu informieren. Mit den Videoclips „Sarggeschichten“ werden dabei niedrigschwellig die Zugänge zu Social Media genutzt, um Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich dem Thema anzunähern. Die Tools sollen u. a. dazu dienen, Ängste vor dem Sterben abzubauen, den Themen ihre Tabuisierung zu nehmen, sich frühzeitig um Fragen von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zu kümmern und seine Patientenautonomie wahrzunehmen. Die “letzten Dinge” so weit wie möglich geregelt zu haben und sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinandergesetzt und weitestgehend versöhnt zu haben, kann zu einer inneren Ruhe und Gelassenheit und damit zu stärkerem psychischen Wohlbefinden führen.

Sonderpreis der Jury

Café Nachtlicht

Das Café Nachtlicht in Wiesbaden ist eine Anlaufstelle für Menschen in nächtlichen Krisensituationen. Der Besuch des Cafés ist kostenfrei und bietet Menschen in schwierigen Lebenslagen Raum für Gespräche und Austausch. Ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter mit und ohne Psychiatrieerfahrung betreuen das Projekt und begleiten die Gäste empathisch, ohne therapeutische oder pädagogische Ziele zu verfolgen. Die Besucher/innen können sich in Einzelgesprächen oder in der Gruppe frei austauschen, sie können schweigend teilnehmen oder das vorhandene Spielangebot nutzen. Die Gespräche werden von den Mitarbeiter/innen und den Gästen vertraulich behandelt. Durch den persönlichen Begegnungsraum sollen die Gäste bei nächtlichen Krisen aufgefangen werden und einer möglichen Notaufnahme in eine psychiatrische Einrichtung im besten Fall präventiv vorgebeugt werden. Dies kann zudem die wahrgenommene Krisenkompetenz und Selbstwirksamkeit der Person positiv beeinflussen. Allerdings ist das Angebot kein Krisendienst für psychiatrische Notfälle. In solchen Fällen wird eine Weitervermittlung angeregt. Alle Personen sind willkommen, alleinige Einschränkung: Kein Alkohol, keine Drogen, keine Gewalt.

Bilder: AndreasMann.net