Tagung zum Thema "Altersdepression"

Depression im Alter richtig erkennen

Datum: 06. Februar 2019
Ort: Klinik Hohe Mark, Oberursel

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Exzerpt aus dem Tagungsbeitrag von Prof. Dr. med. Andreas Fellgiebel

Prof. Dr med. Fellgiebel (Landeskrankenhaus Rheinhessen-Fachklinik Alzey) berichtete auf der Veranstaltung über seine Erfahrungen aus dem Fachgebiet der Alters- und Neurodegeneration. Darin beschreibt er, dass Altersdepressionen die zweithäufigste Diagnose im Alter darstellen. Nicht nur die körperlichen Funktionseinschränkungen, sondern auch Einsamkeit, Verlust des Selbstwertgefühls und der Eindruck, durch die technische Entwicklung abgehängt zu sein, können die Entstehung einer Depression fördern. Auch chronische Erkrankungen stellen einen Risikofaktor für die Entwicklung von Depressionen dar und treten vermehrt mit zunehmendem Alter auf.

Trotz erhöhter Risikofaktoren im Alter wird die Diagnose im Vergleich zu jüngeren Bevölkerungsgruppen nicht signifikant häufiger gestellt. Möglicherweise ist dies mit der gut ausgeprägten Wiederstandkraft (Resilienz) des erfahrenen Menschen zu erklären. Der Erfahrungsschatz an bewältigten Krisen und Umbrüchen im Leben erhöht möglicherweise die Resilienz im Alter.

Nichtsdestotrotz bleiben Depressionen im Alter oft unerkannt. Ursache dafür ist die Mehrdeutigkeit der Symptome. Oft klagen Betroffene bei ihrem Besuch in der Hausarztpraxis über körperliche Beschwerden, wie schlechten Schlaf, Unruhe, Müdigkeit und Lustlosigkeit. Der Bezug zu einer Altersdepression wird häufig nicht hergestellt. Gerade auch durch die mit einer Despression einhergehenden kognitiven Einschränkung (Pseudodemenz) kommt es vor, dass Betroffene mit der Fehldiagnose einer Demenz behandelt werden.

Es ist daher wichtig, auf folgende Unterschiede von Altersdemenz und Altersdepression zu achten:

  • Altersdepressive Menschen können Ihre kognitiven Einschränkungen genau beschreiben und sich an fast alle damit verbundenen Situationen erinnern.
  • Altersdepressive Menschen haben oft plötzlich merkbare Einschränkungen. Meist lässt die generelle Leistungsfähigkeit rasch nach, obwohl die Alltagsaktivitäten größtenteils erhalten bleiben. Allgemein schwankt jedoch die Stärke der Einschränkungen.
  • Im Abgrenzung dazu ist der Beginn der Altersdemenz schleichend. So kann oft kein klarer Beginn der kognitiven Einschränkungen gefunden werden.
  • Die Leistung von dementen Personen ist konstant gering, wobei das Defizitbewusstsein eher gering ausfällt.
  • Im Gegensatz zu altersdepressiven Menschen erinnern sich demente Personen weniger gut an die Ereignisse, auch nicht bei Hinweisen zu einer vergessenen Situation. Überspitzt formuliert, erinnern sich depressive ältere Menschen an das, was sie vergessen haben.

Weiter gibt es Hinweise, dass eine Depression die Entwicklung einer Demenz fördert. Daher kann es ratsam sein, ergänzende therapeutische Maßnahmen durchzuführen, um das Einsetzen einer späteren Demenz zu verzögern oder gar zu vermeiden. Eine solche Ergänzung stellt die Adhärenztherapie dar. Die Adhärenztherapie setzt auf die Aufklärung des Patienten über seinen Zustand, die Folgen und die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten, um dessen Akzeptanz und Unterstützung der Therapie zu fördern. Dazu gehören neben anderem, das Verständnis der Medikation und deren Wirkweisen sowie die Psychoedukation.

Darüber hinaus ist eine gute Zusammenarbeit der Psycholog*innen und Hausärzt*innen wichtig, um eine interdisziplinär aufeinander abgestimmte Therapieform (collaborative caremanagement) zu entwickeln. Dabei stellt gerade auch die Begleitung der Betroffenen durch eine Psychologin bzw. einen Psychologen (Casemanagement) einen Gelingens Faktor für eine erfolgreiche Therapie von Altersdepressionen dar.

Hessischer Gesundheitspreis

Ansprechpartnerin in Hessen

Dr. phil. nat. Bettina Gorißen
Vorsitzende im Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.
Landesgruppe Hessen
info@bpd-hessen.de