Was sich Kinder wünschen und wovor sie Angst haben
„Kinder wünschen sich gemeinsame Zeit mit ihren Eltern“, sagte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner als Schirmherr des LBS-Kinderbarometers Hessen. „Die familiengerechte Abstimmung verschiedener Zeitstrukturen ist die große Herausforderung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter und ihre Kinder.“
Das LBS-Kinderbarometer ist eines der größten Beteiligungsprojekte der Bundesrepublik. Im Winter 2010/2011 wurden deutschlandweit mehr als 10.000 Kinder befragt. Die Studie ist eine auf kontinuierliche Wiederholung angelegte Querschnittsstudie von Kindern im Alter zwischen 9 und 14 Jahren. Dabei geht es darum, die kindliche Perspektive ernst zu nehmen und ihr einen festen Platz in der gesellschaftlichen Diskussion zu geben.
Bereits zum dritten Mal förderten die LBS Hessen-Thüringen und die hessenstiftung – familie hat zukunft einen für Hessen repräsentativen Länderbericht. Die Ergebnisse wurden am 8. Februar in Frankfurt vorgestellt.
Hessens Kinder wollen selbst mal Eltern werden
Zwei Drittel der befragten 9 bis 14-Jährigen wünschen sich, später einmal selbst Kinder zu haben. 31 Prozent sind sich noch unsicher und nur 3 Prozent möchten später nicht selbst Eltern werden. „Deutschland gilt als kinderärmstes Land in Europa. Umso erfreulicher ist es, dass Hessens Nachwuchs zum Großteil an die spätere Familienplanung denkt“, so Dr. Ulrich Kuther, Geschäftsführer der hessenstiftung – familie hat zukunft. Auch darüber wie sich die Kinder ihr späteres Leben mit einem Partner oder einer Partnerin vorstellen, gibt die Studie Auskunft: 81 Prozent aller Kinder in Hessen fänden es gut, wenn sie sich mit ihrem späteren Partner die Hausarbeit teilen würden. Mädchen möchten die Hausarbeit bedeutend häufiger teilen als Jungen.
Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut am stärksten
Auf die Frage, wovor die Kinder am meisten Angst haben, wenn sie an ihre Zukunft denken, konnten sie in eigenen Worten antworten. Jedes dritte Kind in Hessen hat Angst, künftig arbeitslos zu sein, in Armut zu leben oder sogar obdachlos zu werden. „Die Kinder erfahren teilweise hautnah, zum Beispiel bei ihren Eltern, was es heißt, Geldsorgen zu haben oder arbeitslos zu sein. Umso wichtiger ist es, ihnen ein stabiles soziales Umfeld in der Familie zu bieten“, so Verone Schöninger, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Hessen e.V.
Zudem haben 11 Prozent der Kinder Ängste bezüglich der zukünftigen Familie. Darunter fallen Aussagen zur Partnerschaft, zu eigenen Kindern und Heirat. Der hessische Nachwuchs sorgt sich darum, seine eigene Familie zu verlieren, sich nicht genug um sie kümmern zu können oder vom späteren Partner betrogen zu werden. 11 Prozent fürchten den Verlust oder auch eine Krankheit in der Ursprungsfamilie. 7 Prozent der Kinder in Hessen geben an, sich vor nichts zu fürchten, wenn sie an die Zukunft denken. 6 Prozent jedoch nennen Krieg, weitere 5 Prozent sorgen sich um die Umwelt. Außerdem haben 5 Prozent der Kinder in Hessen Angst davor, in der Zukunft einmal Opfer eines Verbrechens zu werden. Genauso hat jedes zwanzigste Kind Versagensängste und befürchtet zum Beispiel in der Schule schlechte Noten zu bekommen oder sogar den Schulabschluss nicht zu erreichen, aber auch an der Führerscheinprüfung zu scheitern oder sich den Berufswunsch nicht erfüllen zu können. Darüber hinaus haben 4 Prozent Angst davor, im eigenen Leben kein Glück zu haben oder die eigenen Träume nicht umsetzen zu können.
