Kommunaler Partnerprozess „Gesund aufwachsen für alle!“

Forum Gesundheitliche Chancengleichheit in Hessen beschäftigte sich mit Thema „Jungengesundheit“

Das Forum am 27.05.2014 im Amt für Gesundheit in Frankfurt widmete sich der Zielgruppe „Jungen“, welche zunehmend in den Fokus der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen tritt. Leider befindet sich diese Entwicklung noch in einem Anfangsstadium. Zu den wenigen Ausnahmen in Hessen könnte beispielsweise das Projekt „Leistungsstarke Kerle“ des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration Nähere Informationen finden Sie unter http://www.sozialnetz.de/ca/b/deb

Viele Jahre wurde aber unter dem Gender Mainstreaming Ansatz primär die Gruppe der „Mädchen“ in den Blick genommen. Aktuelle Studien zum Gesundheitszustand belegen aber einen erhöhten Handlungsbedarf bei Jungen. Sie verletzen sich unter anderem häufiger, ernähren sich ungesünder und leiden häufiger an Suchterkrankungen (Quelle: Health Behaviour in School-aged Children 2009/10). Des Weiteren gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Einschätzung des Gesundheitszustandes Die soziale Lage oder ein vorliegender Migrationshintergrund spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde folgenden Fragen nachgegangen:

  • Welche Hinweise lassen sich aus aktuellen Befunden zur Gesundheit von Jungen erkennen, insbesondere im Zusammenhang mit der sozialen Lage?
  • Warum ist eine Fokussierung auf die Zielgruppe „Jungen“ dringend notwendig?
  • Was sind geeignete Strategien in der Gesundheitsförderung bei der Zielgruppe frühe Ansätze, Partizipation…)?
  • Welche Zugangsmöglichkeiten bietet das Handlungsfeld „Soziale Arbeit“ in der Gesundheitsförderung von Jungen?

Die Einführung in das Thema erfolgte unter dem Titel „Jungengesundheit – aktuelle Befunde und Handlungsansätze“ durch den Mitherausgeber des Fachbuches „Jungen und Gesundheit“ Dr. med. Bernhard Stier (Kinder- und Jugendarzt). Dr. Stier stellte verschiedene Thesen auf, die er im Zuge seines Vortrages mit Fakten untermauerte:

  1. These: Männer sind gesundheitlich benachteiligt
  2. These: Jungen – die beratungsresistenten Gesundheitsidioten?
  3. These: Cavemans Dilemma: Der Genderaspekt wird meist ausgeblendet
  4. These: Jungen zeigen nicht per se ein schlechteres Gesundheits- und Bildungsverhalten. Vielmehr bieten die genetische Disposition und die psychosozialen Lebensumstände eine vulnerablere Grundlage diese zu entwickeln!

Im Anschluss wurden vier gute Beispiele aus der Praxis vorgestellt.
Das ehemalige Vorstandsmitglied des Nachbarschaftsheims Frankfurt a.M. – Bockenheim e.V. Peter Stein stellte die „Interkulturelle Jugendarbeit des Jungentreff Bockenheim im Rahmen des Projekts „Bockenheimer Schülertisch“ vor. Danach folgte der Beitrag von Bernd Hackfort „Gewaltprävention- und Integrationsprojekt des Box-Clubs Nordend Offenbach e.V.“ Den Abschluss bildeten Dieter Schuchert zur „Sexualpädagogik bei Jungen“ im Rahmen seiner Tätigkeit bei Pro Familia e.V. und Marc Melcher zu den Projekten „Daddy be cool” und „Soziale Jungs“ des Paritätischen Bildungswerkes Bundesverband e.V.
Die Veranstaltung war durch eine rege Diskussion geprägt und endet mit der Erkenntnis, dass insbesondere im Gesundheitssektor noch hinsichtlich der Qualität und Quantität von Maßnahmen zur Förderung der Jungengesundheit ein großer Nachholbedarf besteht. Die HAGE wird sich in Zukunft auf jeden Fall weiter mit dem Thema „Jungengesundheit“ in seiner ganzen Komplexität beschäftigen.
Nähere Details zu den Inhalten und zudem Verlauf des Forums stehen auf dieser Seite als Download zur Verfügung.

Das Forum „Gesundheitliche Chancengleichheit in Hessen“ ist ein offener Arbeitskreis, der zwei Mal im Jahr stattfindet. Das Forum spricht Akteure aus Wissenschaft und Praxis an, die im Bereich Gesundheitsförderung aktiv sind. Es bildet eine Plattform zum Austausch und Netzwerken der in diesem Feld tätigen Akteure. *Der Schwerpunkt des Forums liegt seit 2013 auf Themen im Rahmen des kommunalen Partnerprozesses „Gesund aufwachsen für alle!“ *