Fachtagung „Kinder von psychisch kranken Eltern - Unterschiedliche Blickwinkel und Ansätze“

mit 160 Teilnehmerinnen/Teilnehmern am 06.10.2014 in Frankfurt

Nach Einschätzung des Bundesverbandes für Erziehungshilfe e.V. erleben jährlich circa drei Millionen Kinder, wie ein Elternteil unter einer psychischen Erkrankung leidet. Für die betroffenen Kinder ist dies häufig mit einschneidenden Erlebnissen verbunden. Es besteht ein drei- bis vierfaches höheres Risiko selbst zu erkranken oder auffälliges Verhalten im Lebensverlauf zu entwickeln. Dies kann sich in allen Lebensbereichen zeigen, sei es im Kindergarten, der Schule, in der Familie oder außerhalb. Gleichzeitig entwickeln diese Kinder in besonderem Maße aber auch Fähigkeiten, diese schwierige Situation zu bewältigen.

Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention orientieren sich häufig an gesundheitlichen Risiken – gesundheitliche Potenziale geraten hingegen meist aus dem Blick. Eine ressourcenorientierte Sicht auf die gesundheitliche Situation von Kindern mit psychisch kranken Eltern geht über diese – eher defizitäre – Perspektive hinaus. Sie fördert den selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Gesundheit und vorhandenen Schutzfaktoren, stärkt ein partizipatives Miteinander von Kindern, Eltern und professionellen Akteuren und leistet damit einen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit.

Die Fachtagung wurde gemeinsam vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) sowie der HAGE – Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. durchgeführt. Frau Nöcker (HMSI) übernahm die Moderation. Ein erster inhaltlicher Impuls wurde von Prof. Dr. med. Franz (Ärztlicher Direktor Vitos Klinikum Kurhessen) gesetzt, der in seinem Vortrag unter anderem die Relevanz des Themas an den eigenständigen Risiken: genetische Disposition; psychosoziale Belastung und emotionaler Stress in vulnerabler Phase, verdeutlichte.

Ein besonderer Stellenwert bei dieser Tagung wurde der Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen in Hessen eingeräumt. Frau Stahl (HMSI; Landeskoordinierungsstelle „Frühe Hilfen“) informierte die Anwesenden zum Umsetzungsstand, den Chancen und den Herausforderungen der Frühe Hilfen in Hessen. Die Initiative ermöglicht es, Familien rechtzeitig verschiedene Unterstützungsangebote anzubieten und somit gesundheitliche Belastungen für Kinder und Eltern zu minimieren. So gehen beispielsweise vorsichtige Schätzungen davon aus, dass nach der Geburt 15-20 % der werdenden Mütter an einer postnatalen Depression erkranken. Vor Ort sind Angebote der Frühen Hilfen somit ein wichtiger Baustein beim Aufbau von Präventionsketten.

Die Fachtagung setzte im Hinblick auf die Gesundheitsförderung einen Fokus auf die Fragen: „Welche guten Praxisbeispiele gibt es für Kinder von psychisch kranken Eltern in hessischen Kommunen und welche sozialen Ressourcen müssen bei Kindern, Eltern und dem Umfeld aktiviert werden, um eine positive Entwicklung zu fördern?“ In diesem Zusammenhang wurden vier Praxisbeispiele aus Gießen, 
Bad Homburg, Groß-Gerau und Kassel vorgestellt.

Ein besonderes Highlight der Fachtagung war das Improvisationstheater „fast forward theatre – Marburg“. Den Darstellern gelang es auf hervorragender Weise die Eindrücke der Tagung aufzunehmen und spielerisch darzustellen.
Die sehr hohe Resonanz auf die Veranstaltung zeigte zum einen die Relevanz des Themas für die Akteure in den Kommunen auf und zum anderen die bestehenden Versorgungslücken mit adäquaten Maßnahmen.

Einige Präsentationen und der Veranstaltungsflyer stehen Ihnen zum Download auf dieser Seite zur Verfügung.