Gesundheitsförderung in Lebenswelten - Entwicklung und Sicherung von Qualität

Qualitätssicherung stärker in der täglichen Praxis der Gesundheitsförderung in Settings zu verankern, ist Ziel des bundesweiten, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geförderten Vorhabens. Die HAGE setzt dies in Hessen um.

Warum Entwicklung und Sicherung von Qualität?

Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung hat das Ziel, Akteure für eine zielgruppenadäquate und fachgerechte Planung und Umsetzung von Interventionen zu sensibilisieren und Instrumente anzubieten, damit dies bewerkstelligt und sichtbar gemacht werden kann (Kolip/Müller 2009: 15). In den vergangenen Jahren wurden bereits zur Unterstützung der Qualitätssicherung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen eine Vielzahl von Instrumenten und Verfahren sowie entsprechende Übersichten und Zusammenfassungen entwickelt. Der Transfer von Qualitätssicherungsinstrumenten und ihre Umsetzung in der Praxis der Gesundheitsförderung sind jedoch noch ausbaufähig und es ist offen, wie Praktikerinnen und Praktikern die Nutzung dieser Instrumente und Verfahren erleichtert werden kann.

Bundesweites Projekt der BZgA

Im Rahmen des Projektes werden mit einer Reihe von Modulen und Veranstaltungen landes- und bundesweite Kompetenznetzwerke für Qualitätssicherung in gesundheitsfördernden Settings aufgebaut. Des Weiteren wird ein Multiplikatorenkonzept entwickelt, um Praktikerinnen und Praktiker bei der Auswahl und Anwendung von Instrumenten und Verfahren der Qualitätssicherung zu unterstützen. In diesem Zusammenhang führten die Landesvereinigungen und -einrichtungen für Gesundheit, bundesweit settingspezifische Bestandsaufnahmen mit Hilfe von Gruppendiskussionen durch. Zusätzlich fanden Regionalkonferenzen statt, bei denen u. a. Wünsche, Erwartungen und Bedarfe von Akteurinnen und Akteuren in Settings an die Zugänge und Instrumente der Qualitätssicherung thematisiert und diskutiert wurden.

Für das Bundesland Hessen hat die HAGE die Planung, Organisation und Durchführung der Gruppendiskussion und der Hessischen Regionalkonferenz sowie eine schriftliche Befragung durchgeführt. Im Fokus ist hier das Setting Kinder- und Familienzentren als ein Ort für Gesundheitsförderung.

Warum Kinder- und Familienzentren?

Kinder- und Familienzentren sind Knotenpunkte in einem Netzwerk von Information und Kooperation. Sie sind Teil eines kommunalen Netzes der Prävention, Gesundheitsförderung und sozialen Unterstützung und verfügen über ein Erfahrungswissen, das von großer Bedeutung ist. Kinder- und Familienzentren entwickeln z. B. gesundheitsförderliche Angebote, um Eltern bei der Alltagsbewältigung zu unterstützen. Dadurch werden Eltern entlastet, gleichzeitig wird Stress vorgebeugt und die zeitlichen Ressourcen der Familien werden gestärkt (vgl. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 2013: 48 ff., vgl. Meyer-Ullrich et al. 2008: 24 f.). Ebenso wichtig sind Mütter- und Nachbarschaftszentren sowie Mehrgenerationenhäuser, zu denen häufig Kooperationen bestehen. Weitere Kooperationspartner und die Träger der genannten Einrichtungen sind bei der Erhebung von Erfahrungen und Bedarfen mit Qualitätsentwicklung und -sicherung ebenfalls bedeutend.

Gruppendiskussion mit Mitarbeiterinnen hessischer Kinder- und Familienzentren

Die HAGE führte am 15. Oktober 2014 eine Gruppendiskussion mit Mitarbeiterinnen hessischer Kinder- und Familienzentren in Frankfurt am Main durch. Gegenstand der Diskussion waren die Erfahrungen der Teilnehmerinnen mit Instrumenten, Verfahren und Routinen der Qualitätsentwicklung und -sicherung. Die Diskussionsinhalte werden im Kern festgehalten und als Ergebniss im Gesamtbericht des bundesweiten Projektes vorgestellt.

Hessische Regionalkonferenz "Gute Arbeit- Gute Qualität?"

Am 14. Januar 2015 fand die Hessische Regionalkonferenz für Mitarbeiter/innen hessischer Kinder-, Mütter- Familien- und Nachbarschaftszentren, Mehrgenerationenhäuser sowie deren Träger und Interessenten in Frankfurt am Main statt. In diesem Rahmen referierten Prof. Dr. Petra Kolip (Universität Bielefeld) zum Thema „Qualitätsentwicklung von Prävention und Gesundheitsförderung“ sowie Cornelia Goldapp (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) zum Thema „Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen in der Praxis“. Zusätzlich fanden vier moderierte Thementische zu den Inhalten Kompetenznetzwerk, Qualitätssicherung, Evaluation und Bedarfserhebung/ -analyse statt. Diese Thementische ermöglichten den Teilnehmenden einen intensiven Erfahrungsaustausch. Bei diesem Austausch konnten sie Ideen, Anregungen und Möglichkeiten der Qualitätsentwicklung erhalten und im Hinblick auf die Entwicklung eines landeweiten Kompetenznetzwerkes mitgestalten. mehr

Hessenweite Erhebung zur Sicherung und Entwicklung von Qualität

Die HAGE führte zudem eine Befragung zu Erfahrungen und Erwartungen der Akteur/innen im Setting Kinder- und Familienzentren durch, deren Ergebnisbericht als Download verfügbar ist.
Mit Blick auf das gesamte Vorhaben waren handlungsleitende Fragestellungen folgende:

  • Welche Erfahrungen und Bedarfe haben Akteurinnen und Akteure aus dem Setting der Kinder- und Familienzentren mit der Anwendung von Instrumenten und Verfahren der Qualitätssicherung?
  • Welchen Unterstützungsbedarf haben die Akteurinnen und Akteure, um Maßnahmen der Qualitätssicherung in ihren Einrichtungen zu entwickeln?
  • Welchen Stellenwert haben Gesundheitsförderung und Prävention in der Arbeit des Settings Kinder- und Familienzentren aus Sicht der Akteur/innen?

Die Ergebnisse zeigen ein breites Spektrum der Qualitätssicherung im Setting Kinder- und Familienzentren mit Unterschieden in der methodischen Anwendung der Qualitätssicherung. Für die Nutzung komplexer Ansätze und Methoden bedarf es der Unterstützung, bei der die Spezifik qualitätsgesicherter Gesundheitsförderung und Prävention herausgestellt werden sollte.