Bericht über die Fachtagung "Leben und Sterben" 2014 des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

„Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen."

So heißt es in der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland (2010).

Am 5. November 2014 fand die diesjährige Fachtagung „Leben und Sterben“ des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration in Bad Nauheim statt. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich über mögliche zukünftige Themen der Hospiz- und Palliativbewegung und ethische Herausforderungen bei der Begleitung sterbender Menschen intensiv ausgetauscht.

Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie in ihrer letzten Lebensphase mit ihren Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert werden und dass Entscheidungen unter Achtung ihres Willens getroffen werden. Prof. Dr. Alfred Simon, Leiter der Geschäftsstelle der Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen, gab dazu Denkanstöße. Er betonte in seinem Vortrag, dass ein Sterben unter würdigen Bedingungen die Achtung des Patientenwillens und die Perspektive der Fürsorge sowie des menschlichen Miteinanders voraussetzt. Er thematisierte die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen und die Zulässigkeit der (ärztlichen) Suizidhilfe.

Daran schlossen sich die Impulsvorträge von Dr. Alexander Dietz zum Thema Sterbebegleitung und Armut, von Dr. Harald Joachim Kolbe zum Thema Sterbebegleitung und Psychiatrie sowie von Dr. Tobias Müller-Monning zum Thema Sterbebegleitung und Justizvollzug an. Alle drei Referenten schilderten anhand sehr eindrücklicher Beispiele aus ihrer Berufspraxis, wie Menschen in ihrem Bereich sterben und welche Rolle es für die Mitmenschen spielt. Die Vorträge waren sehr berührend, denn sie zeigten, dass auch das Sterben in Würde sozial ungleich verteilt ist.

Die Teilnehmenden waren sich bewusst, dass wenig Wissen zu diesen Themenfeldern vorhanden ist. Wo kann man beispielsweise Menschen in Armut „entdecken“? Ist die Würde der Menschen wirklich an allen Orten gleich? In kleinen Gesprächsrunden tauschten sich Sozialarbeiter, Mitarbeiter aus der Psychiatrie und dem Justizvollzug sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus der Hospiz- und Palliativarbeit in Hessen innerhalb einer sehr wertschätzenden Gesprächsatmosphäre intensiv aus, informierten sich gegenseitig und knüpften Netzwerke.

Am Ende der Fachtagung stand fest, dass zu diesen Bereichen umfassendere Informationen gesammelt werden müssen, die allen Haupt- und Ehrenamtlichen zugänglich gemacht werden sollten. Die Informationen sollten zum einen über die besonderen Verhältnisse sterbender Menschen in prekären Lebenslagen, die Besonderheiten die mit einer psychischen Erkrankung einhergehen sowie über das Sterben im Justizvollzug informieren. Zum anderen sollen Barrieren und Vorurteile abgebaut werden. Gleichzeitig müssen aber auch die Angebote der Hospiz- und Palliativbewegung in den Einrichtungen bekannt gemacht werden. Sie kann sich dort vorstellen und auch den Mitarbeitenden Hilfe bei der Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer anbieten. Über die Tagung hinaus, wünschen sich die Teilnehmenden, dass jeder Bereich in einer folgenden Tagung umfassender behandelt wird.

Im Rahmen der Fachtagung unterschrieb Minister Stefan Grüttner die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Er bekundet mit seiner Unterschrift, sich auch weiterhin für die Belange schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen einzusetzen.

Ebenfalls wurde bei der Fachtagung die überarbeitete und erweiterte Broschüre “Hospizarbeit und palliative Versorgung – Praxishilfe für die Hospiz- und Palliativarbeit vor Ort” vorgestellt und konnte von den Teilnehmenden mitgenommen werden.

Mehr Informationen über die Praxishilfe

Grußworte und die Vorträge der Referenten finden Sie hier: