Projektbeschreibung

Die schuleigene Pflegekraft (School (Health) Nurse) hat in vielen Ländern eine lange Tradition. In den USA und Großbritannien gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts School Nurses. Schulen in freier Trägerschaft haben auch hierzulande schon vor Jahren den Bedarf an schuleigenen Pflegekräften erkannt und vereinzelt Stellen geschaffen. Die Länder Hessen und Brandenburg möchten nun den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften an öffentlichen Schulen in beiden Bundesländern erproben. Ab Frühjahr 2017 soll das Projekt zunächst für zwei Jahre an zehn allgemeinbildenden Schulen in Hessen und Brandenburg umgesetzt werden. Die AOK Hessen fördert dieses Modellprojekt maßgeblich.

Ziele des Modellvorhabens

Mit dem Modellprojekt soll die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler gestärkt und die gesundheitliche Chancenungleichheit reduziert werden. Denn Daten der HBSC-Studie zeigen einen großen Handlungsbedarf um das Wohlbefinden von Jungen und Mädchen weiter aufrecht zu erhalten (HBSC-Team, 2011). Untersuchungen des RKI zur Bedeutung des sozialen Status für ein gesundes Aufwachsen zeigen zudem auf, dass Kinder und Jugendliche aus der niedrigen Statusgruppe ein erhöhtes Risiko für einen beeinträchtigten allgemeinen Gesundheitszustand und für psychische Auffälligkeiten haben (RKI, 2015).
Daher verfolgt das Projekt folgende Ziele:
• Verbessertes Gesundheitsverhalten bei SchülerInnen und Schulpersonal

  • Etablierung eines gesundheitsbewussten Schulklimas
  • Verbesserung der Lernvoraussetzungen für gesundheitlich und/oder sozial belastete SchülerInnen
  • Bessere Integration chronisch kranker SchülerInnen
  • Reduktion von Fehlzeiten von SchülerInnen und Schulpersonal
  • Entlastung des Schulpersonals

Qualifikation und Aufgaben der Schulgesundheitsfachkraft

Die Schulgesundheitsfachkräfte verfügen über eine Ausbildung zur examinierten Gesundheits- und Krankenpflegekraft oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in mit mindestens 3 Jahren Berufserfahrung. Die Qualifizierung zur Schulgesundheitsfachkraft erfolgt im Vorfeld als auch berufsbegleitend während des Einsatzes.
Aufgaben

  • Gewährleistung einer Erstversorgung von erkrankten und verletzten Personen auf dem Schulgelände
  • Unterstützung bei der Früherkennung von möglichen gesundheitlichen Entwicklungsstörungen
  • Unterstützung der Lehrkräfte bei unterrichtsbegleitenden, bereits bewährten und qualitätsgesicherten Präventionsprojekten
  • Optimierung der gesundheitlichen Kompetenz von Lehrkräften, Eltern und Schüler/innen
  • Unterstützung von chronisch Kranken und Kindern mit Beeinträchtigungen sowie von Schüler/innen nach krankheitsbedingter längerer Abwesenheit
  • Ansprech- und Vertrauensperson für Schüler/innen mit gesundheitlichen Auffälligkeiten
  • Interdisziplinäre inner- und außerschulische Zusammenarbeit

Projektträger und Steuerungsgruppe Hessen

Projektträger in Hessen ist die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. Der Projektträger wird von einer Steuerungsgruppe auf Landesebene fachlich beraten.
Mitglieder und Gäste der Steuerungsgruppe

  • AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen
  • Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Hessen-Süd e.V.
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. Hessen
  • Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Bundesverband e.V.
  • Evangelische Hochschule Darmstadt
  • Justus-Liebig-Universität Gießen, Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
  • Landeselternbeirat von Hessen
  • Landesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen
  • Staatliches Schulamt Frankfurt am Main
  • Staatliches Schulamt Offenbach
  • Stadt Frankfurt am Main – Amt für Gesundheit
  • Stadtgesundheitsamt Offenbach
  • Unfallkasse Hessen

Evaluation

Das Modellprojekt wird begleitend evaluiert. Der Projektträger hat die Charité Berlin mit der Evaluation des Projekts beauftragt. Mit der Evaluation sollen die Effekte des Einsatzes der Schulgesundheitsfachkräfte ermittelt werden. Die Evaluationsergebnisse sollen eine belastbare Daten- und Argumentationsgrundlage für zukünftige Entscheidungen schaffen. Zum einen ist es wichtig zu ermitteln, ob die verfolgten Projektziele im Laufe der Projektlaufzeit erreicht werden. Zum anderen dienen die Ergebnisse der weiteren Steuerung sowie der intendierten Weiterführung und Erweiterung des Modells.